search instagram arrow-down

Archive

Resonanzen

8. Februar 2020

Die Mühle von Blomsterhult PDF 2

(Lesezeit ca. 10 – 15′)

 

3. Februar 2020

 

An den Wind

Brausest wieder übern See
wilde Gischt und Schaum.
Lösest endlich mir mein Weh
auf im weiten Raum.

Wenn an diesem Wintertage
Wolkengrau dich flieht,
singst du alle trübe Klage,
was mir schwere wiegt …

Alles Halbe, und was klein,
machst du ganz und gar,
und ich werde, so all-ein,
meiner selbst gewahr.

Alles Klagen, banges Fragen
wehst Du fort von mir.
Alles Lieben, alles Wagen
nehm ich an von Dir.

Steig ins Boot nun, setz die Segel,
gälte es mein Leben,
Ich verlasse sichre Regel,
Dir ganz hingegeben:

Dir, der Wellenberge baut!
Selig, sich hinaus zu wagen!
Selig, wer den Winden traut,
und den Wellen, die ihn tragen.

(Goethe lässt grüßen)

 

26. Januar 2020

Winterfrühling

So hoch der Tag,

so überweltlich licht

der blaue Dom.

Reglos der Wald.

In kahlen Wipfeln

pocht ein Specht.

Spiegelklare schweigt der See,

der fernen Ufer dunkle Säumung

von dort, wo sich der Abend naht,

und vor mir Silberschilf, Geäst und Stämme,

die dann und wann vom Sturme fielen,

gleich Riesen, die nun stumm vergehen;

Reifend in solchem Glanz

zu Wandel und zu Neubeginn

fühl ich die Welt.

Sie lauscht, sie sehnt, sie leuchtet sich

dem Licht entgegen,

und meint auch mich.

 

 

 

19. Januar 2020

Eine Begegnung mit Benno Pludra (1925 -2014)

(Lesezeit ca. 4′)

„Ja, geht klar, ich freue mich drauf!“ Benno Pludra, einer der meistgelesenen Kinder-und Jugendbuchautoren der damaligen DDR und späteren BRD, bekräftigte zum Abschied noch einmal unsere Verabredung für eine Lesung im HAUS DER KLÄNGE. Ich hatte ihn nach vorausgegangenen brieflichen und telefonischen Kontakten in seinem gemütlichen, erinnerungsträchtig eingerichteten Haus im Norden Potsdams aufgesucht, und mit ihm Einzelheiten zu seiner geplanten Lesung zu besprechen.

Er lebte dort allein, unterstützt von einem freundlichen Pfleger, der drei Mal am Tag aufkreuzte. Doch nicht ganz allein: schon während meiner kurzen Wartezeit an der Haustürklingel ließ sich sein Mitbewohner lautstark und lebhaft vernehmen. Als der betagte Hausherr mir dann die Tür öffnete, zog sich der bellende Leibwächter eiligst trippelnd ins Innere der Wohnung zurück. Im nächsten Augenblick jedoch tauchte seine Schnauze wieder hinterm Türrahmen auf. Aus dunklen Augen fixierte das Hündchen mich misstrauisch. Erneutes, lautstarkes Ankläffen, damit ja klar war, wer hier Herr im Hause ist. Pludra beruhigte seinen aufgeregten Beschützer, und dieser blieb nun im folgenden Verlauf des Gesprächs immer um uns – mal ruhig zu unseren Füßen ausgestreckt, dann wieder unvermittelt aufspringend, um mich ein ums andere Mal zu beschnüffeln.

Wir hatten im Wohnzimmer Platz genommen, wo mein Blick auf einen schmalen Bucheinband fiel: „Bootsmann auf der Scholle“. Es war eine verlagsfrische Neuausgabe dieses Kinderbuchklassikers, daneben lag der Verlagsprospekt des Middelhauve-Verlags, der Pludras Bücher nach der Wende neu aufgelegt hat.

Es war dasselbe Buch, das mir im Sommer auf Hiddensee im Schaufenster der Koralle-Buchhandlung aufgefallen war – Hiddensee, diese immer wieder inspirierende Insel, mit der der Schriftsteller tief verbunden gewesen war (er hatte in Vitte ein Sommerhaus), und deren Spuren und Atmosphäre in vielen seiner Bücher zu spüren ist. Ich erzählte ihm von meiner Erstbegegnung mit seinen Geschichten auf Hiddensee in der „Koralle“, wo auch die Erstausgaben seiner Bücher ausgestellt waren, und wie dort die Idee entstanden war, ihn zu einer Lesung einzuladen. Seine blauen Augen hinter der charakteristisch geformten Brille blitzten auf, als er den Namen „Caputh“ hörte. „Aah! Caputh – da ist es schön!“

Ich blickte mich um. Seine Liebe zum Meer zeigte sich in vielen Bildern, Stichen, maritimen Gegenständen und Schiffsmodellen in dem erinnerungsträchtigen Zimmer. Sein Arbeitszimmer jedoch war das nicht mehr. „Wenn nichts mehr in der Kiste ist, kann ooch nüscht mehr rauskommen,“ antwortete er lakonisch auf meine Frage, woran er gerade schreibe. Aber – lesen, ja, das könne er noch, wenn auch nicht mehr vor Schulklassen, das sei ihm zu anstrengend. Ich konnte ihn beruhigen. Zu seiner Lesung im HAUS DER KLÄNGE würden wohl sicherlich mehr Erwachsene als Kinder kommen – Erwachsene, die mit seinen in der einstigen DDR und auch nach der Wende weit verbreiteten Büchern und Verfilmungen besondere und schöne Erinnerungen verbänden und daher den zurückgezogen lebenden Autor gerne einmal persönlich erleben würden.

Nun kam der 85-Jährige ins Erzählen – von Hiddensee, seinem Besuch der Seemannsschule in Hamburg als Sechzehnjähriger, von seinem Wunsch, Kapitän zu werden und von den Fahrten auf einem Schiff der Handelsmarine. Auch Lehrer sei er für kurze Zeit gewesen, aber das sei nichts für ihn gewesen. Das Meer, die Küste und ihre Menschen, die Seefahrt, das Inselleben und der Fischfang ergaben die Motive und Gestalten in den Geschichten Pludras. Der ferne Horizont, die Weite und Freiheitsgefühl weckende Landschaft am Meer bildeten dabei einen bedeutsamen Horizont für die Phantasie des Schriftstellers, der im Alter jedoch in einem sehr klein gewordenen Lebenskreis beheimatet war. (Kurz nach meinem Besuch erlitt Benno Pludra einen Schlaganfall, der ihn in Folge zwang, sein Haus als Wohnort aufzugeben und in eine betreute Wohneinrichtung zu ziehen. Dort wohnte er Tür an Tür mit unserer Großmutter).

Die Gemälde mit maritimen Motiven mussten natürlich mit umziehen – sie atmeten noch die Weite, ebenso wie das Schiffsmodell des Viermasters „Padua“, auf dem er als knapp Zwanzigjähriger zur See gefahren war.
„Die Berge sind etwas Zerbröckelndes, Vergehendes,“ sagte er, „aber das Meer ist immer wieder neu. Das wäscht uns später vielleicht sowieso mal weg …“.

Beinahe hätte er genau dies als Neunzehnjähriger erlebt: einfach weggespült zu werden, nachdem die Padua von einem Torpedo getroffen worden war. Pludra hatte das knapp überlebt, aber das fürchterliche Geschehnis hatte die Haare des jungen Mannes innerhalb kürzester Zeit weiß werden lassen … .

(Benno Pludra verstarb vier Jahre später, am 27. August 2014.)

 

 

 

11. Januar 2020

Winterfrühling

Draußen herrschen bei Sonnenschein Temperaturen um 12 Grad. Helles, unbekümmertes Getriller und Schlagen der Meisen klingrn in der Luft. Aus dem Geäst einer hohen  Douglasie sind andere, nie gehörte und leisere Töne zu vernehmen. Sollten etwa Stare schon wieder da sein? Nach einiger Zeit entdecke ich den unbekannten Sänger – ein alter Bekannter ist es, der sich meist an goldenen Oktobertagen einfindet – ein Emigrant aus den Wäldern, der die Gärten mit ihren alten Walnussbäumen aufsucht und sich an den abgeworfenen Nüssen gütlich tut. Im Wald kennt man ihn als lautstarken Schreck und Schreihals, dessen scharfen Augen nichts verborgen bleibt. Jetzt aber dringen Laute aus seiner Kehle, die ich bei ihm  kaum für möglich gehalten habe: zärtlich-kosend, melodisch-flötend, gurrend und lyrisch-parlierend… Wo verbirgt sich die Angebetete, der diese Poesie eines Winterfrühlingstages gilt?

Doch Irrtum – hier genügte sich der Eichelhäher selbst. Ein Gespräch, ein Gesang mit und für sich selbst, geboren aus dem Wohlbehagen unter einem blauen, klaren Himmel nach Tagen von nassem Grau in Grau … .

 

 

 

 

6. Januar 2020

Was die Sonne singt

Was ist Wahrheit? Diese Frage, die nach den Sternen, ja dem ganzen Weltall ausgreift – sie beginnt schon im kleinsten Alltäglichen, oder auch im Innern der Zellen und Moleküle. Und in deiner, in meiner, in unser aller Einstellungen zueinander und gegeneinander beginnt sie gleichfalls, nimmt von dort ihren Ausgang, ihr Wachstum, ihre Fortpflanzung. Die Sonne singt dazu: Ich bin die Wahrheit und das Leben.

 

 

 

Ein Stein, vom Herzen fallend: ein kleines Ostern.

 

 

5. Januar 2020

Das Geheimnis der „eigenen Bestimmung“ liegt in unseren Begegnungen, im Erlebnis vom Du und Ich (Zenta Maurina). Jede Begegnung ist mehr oder weniger Reflektion, Brechung der Urbegegnungen am Anfang jeder menschlichen Biographie.

Mutter und Vater als Themen einer Doppelfuge, die ich dann durchs Leben hindurch entwickle und durchführe.

 

Der „stereoskopische Blick“ (Ernst Jünger)

Der Blick ins Räumliche der Zeit und ins Zeitliche des Raumes; das Farbliche des Klangs und der Klang der Farben; das Sehen des Gehörten und das Hören des Gesehenen, das Berührende der Töne und der Ton der Berührung; das Schmecken eines Erlebnisses und das Erlebnis eines Geschmacks … usw.

 

 

4. Januar 2020

Geistige Kurzschlüsse

deutsch – national – rechts – rechtsradikal – nationalististisch – Nazi – …

 

 

 

3. Januar 2020

Entleerung und Beliebigkeit

„Wir sind mitten in einer industriellen Revolution. Das ist aber nicht die erste, die wir hatten.“ … So der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Sein Kollege, der Industriepräsident Dieter Kempf:“Die digitale Bildung in den Schulen muss vorangebracht werden. Es ist aus meiner Sicht völlig unzureichend, dass es heute keine ausreichende digitale Bildung in den Sekundarstufen gibt. Das heißt nicht, dass alle programmieren können. Aber wir müssen die jungen Menschen zur digitalen Souveränität erziehen.“

Gutes Beispiel für die Beliebigkeit der Benutzung und Kombination sinnentleerter Begriffe, mit den man suggestive Schlagwortwirkungen zu erzielen sucht. Erinnert an eine Phrasendreschmaschine.

 

 

 

 

1. Januar 2020

 

Fundstück

Aus dem Nachlass des Grafen C. W.

 

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!

Sie zu halten, wäre das Problem.

Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,

wo ein endlich Sein in alledem?

 

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen

jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:

Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,

und das willig Liegende verschwimmt –

 

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; –

aber auch in ihnen flimmert Zeit.

Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt

obdachlos die Unvergänglichkeit.

(R. M. Rilke)

Kommentar verfassen
Your email address will not be published. Required fields are marked *

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: