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Archiv

Resonanzen

Musik: „Sorglåt“ und „Ringome Jannes Polska“, Trad. von Gotland, arr. von J.M.,von der CD „Singende Steine – Musik und Dichtungen von der Insel Gotland)

 

 

 

26. Juni 2020

Das schlimmste Schimpfwort, das Schweine untereinander gebrauchen: „Du Mensch!“

 

 

 

25. Juni 2020

Glaube, Hoffnung und Liebe: Du glaubst ans Schicksal, und hoffst, es ändern zu können, wenn Du um die Zukunft wüsstest. Besser ist, Du liebst Dein Schicksal.

 

 

24. Juni 2020

Corona und dessen Folgen: wie der ungeheure Rücksog und Rückzug der Wassermassen vor der Riesenwelle eines Tsunami …

 

 

21. Juni 2020

Ironie der Technik (zum lesen anklicken)

 

 

 

13. Juni 2020

 

 „Die klare Sonne bringt es an den Tag“ (Chamisso): so macht „Corona“ seinem Namen und Bedeutung alle Ehre. Ironie der Geschichte angesichts der gehäuften Corona Infektionen in den westfälischen Fleischfabriken: Corona wurde im Mittelalter verehrt als die Schutzheilige der Fleischer

 

 

Ein Dirigent, der für seine ehrgeizigen musikalischen Ansprüche „über Leichen“ geht. Bemerkenswert dabei, wie er es macht, dass ihm seine „Untergebenen“ gefallen wollen. Damit sind sie in seinem Bann, damit vermag er Macht auszuspielen. Doch seine Macht würde in sich zusammenfallen, wenn sie aufhören, ihm gefallen zu wollen. Hier kommt jedoch das Spiel mit der Angst, ja Todesangst ins Spiel.

Einwand: Aber er ist doch so ein genialer Musiker. So gut haben wir noch nie geklungen! Antwort:  Ein Chor, ein Orchester besteht nicht aus Orgelpfeifen, sondern aus Menschen.

 

 

 

 

6. Juni 2020

 

– Beinahe die heile Welt …(Lesezeit 7′- zum lesen anklicken)

 

 

 

 

 

5. Juni 2020

Stefan Zweig über den geheimnisvollen Geist (PDF – zum Lesen anklicken)

 

 

 

1. Juni 2020

Corona:

Zweifelos gefährlich; beklagenswert jedes verlorene Menschenleben. Mittlerweile eine Mutation zur  Suchterkrankung einer medienabhängigen Gesellschaft.

 

 

 

 

Im Einklang mit dem fernen Traum

 

Während meines langen Lebens schuf ich im Einklang mit meinem fernen Traum diese Bilder, wann immer ich bei Kräften war, und obwohl ich manchmal den Eindruck hatte, ich wäre jemand ganz anderes, sozusagen zwischen Himmel und Erde geboren, und die Erde sei für mich eine große Wüste, in der meine Seele irre wie eine Fackel, ein Fanal.  …

Jedes Leben geht unausweichlich seinem Ende entgegen. Wir sollten unser Leben mit unseren Farben der Liebe und der Hoffnung färben. In dieser Liebe liegt die soziale Logik des Lebens und das Wesentliche jeder Religion verborgen. Für mich entspringt die Perfektion in der Kunst und im Leben dieser biblischen Quelle. Ohne diesen Geist tragen weder Kunst noch das Leben Früchte. … In der Kunst wie im Leben ist alles möglich, wenn die Liebe die Basis ist.“

(Marc Chagall (1887 – 1985) in einer Rede anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahre 1977 im Pariser Louvre)

 

Begegnungen – Chagall, Picasso und Jünger (PDF)

(Zum Lesen anklicken)

 

 

 

Dies waren die letzten Worte von George Floyd,

einem 46-jährigen Mann, der starb — während ein Polizist ihn auf den Boden drückte und fast neun Minuten lang auf seinem Nacken kniete, bis er erstickte:
“Es ist mein Gesicht, Mann
Ich hab nichts Schlimmes gemacht, Mann
Bitte
Bitte
Bitte, ich kann nicht atmen
Bitte, Mann
Bitte, irgendjemand
Bitte, Mann
Ich kann nicht atmen
Ich kann nicht atmen
Bitte
(unverständlich)
Mann, ich kann nicht atmen, mein Gesicht
Stehen Sie auf
Ich kann nicht atmen
Bitte, ein Knie auf meinem Nacken
Ich kann nicht atmen, Scheiße
Ich werde
Ich kann mich nicht bewegen
Mama
Mama
Ich kann nicht
Mein Knie
Mein Nacken
Ich kann nicht mehr
Ich kann nicht mehr
Ich habe Platzangst
Mein Bauch tut weh
Mein Nacken tut weh
Alles tut weh
Ein Schluck Wasser oder so was
Bitte
Bitte
Ich kann nicht atmen, Officer
Bringen Sie mich nicht um
Sie werden mich umbringen, Mann
Kommen Sie schon, Mann
Ich kann nicht atmen
Ich kann nicht atmen
Sie werden mich umbringen
Sie werden mich umbringen
Ich kann nicht atmen
Ich kann nicht atmen
Bitte, Sir
Bitte
Bitte
Bitte, ich kann nicht atmen.”
Dann schließen sich seine Augen und die Bitten verstummen. Kurz darauf wurde George Floyd für tot erklärt.

 

 

30. Mai 2020

 

Vom Anleger unterhalb des Petzower Schlosses aus verlor sich mein Blick im Blau des Sees und des Himmels, schweifte hinüber zu den bewaldeten Hügeln am gegenüberliegenden Ufersaum mit seinen bunt eingestreuten Bootstegen, Häusern, Gärten und stattliche Villen. Auf der hölzernen Brüstung des Schiffsanlegers bemerkte ich plötzlich eine einzelne Rauchschwalbe. Kaum zwei Meter von mir entfernt hatte sie sich niedergelassen und zu schwätzen begonnen, erst verhalten, dann immer lebhafter. Was hatte sie nicht alles zu erzählen – Freudiges, Schönes, Erstaunliches auch von ihrer großen Reise aus dem fernen Süden hierher in den Norden!  Dann schwang sich das kleine Schwatzmäulchen unvermittelt auf ins Weite des blauenden Himmels und des Sees. Ich sah ihr nach, sah den Raubvogel, der plötzlich neben ihr aus dem Schilfgürtel aufstieg … . Dann verlor ich sie aus den Augen. Nach einem Weilchen aber landete sie wieder auf derselben Stelle der Brüstung und plapperte aufgeregt wie ein kleines Kind darauflos: von der gefährlichen, riesigen Rohrweihe, hundertmal so groß wie sie, die sie aber unerschrocken verfolgt und vertrieben hätte, David gegen Goliath. Ich verstand längst nicht alles von ihren munteren Erzählungen  –  aber ich verstand die Arglosigkeit, das tiefe Vertrauen ins gute Leben und das Gute des Lebens, das aus ihren Lauten klang.

 

 

 

 

Corona  Teil III

Der Philosoph Markus Gabriel in der Neuen Züricher  Zeitung

https://www.nzz.ch/feuilleton/philosoph-markus-gabriel-zu-covid-wir-haben-eine-politische-monokultur-ld.1553074

 

 

23. Mai 2020

Geschichtssinn – ein „Vexierbegriff“ mit zweifachem Bezug. Zum einen kann man ihn beziehen auf die Frage nach dem Sinn, die Zusammenhänge, die Folgerichtigkeit und die vielfältigen Bedeutungen von Ereignissen.
Zum andern: Bezug auf den S i n n  für Geschichte – Sinn also verstanden als ein Sinn(es)organ höchster Relevanz, weil dieser Sinn für’s Individuum wurzelbildend, nährend und stärkend wirkt. Ein Selbstbewusstsein, dass aus dem wachsenden Bewusstsein erwächst, woher ich komme; aus dem, was mein Grundvertrauen, meinen Ursprung ausmacht.
Oder auch: Wurdest du „empfangen“ oder wurdest du „gemacht“? Schon bei diesen Einstellungen beginnen entscheidende und prägende Fragen. Ein Ursprung aus Liebe, oder ein Ursprung infolge eines pragmatischen, planmäßigen Aktes. Oder beides? Oder aus Versehen, ungewollt, oder gar infolge eines Gewaltaktes? Goethes „Urwort“: „So musst Du sein, du kannst dir nicht entfliehen.“
Genauso wahr aber ist: was Du selbst aus dem unausweichlich Geprägten machst.

 

 

Licht und Dunkel in der Geschichte

Beispiele von historischen (oder literarischen) Gestalten:
Im Herz der Finsternisse: Karl von Anjou, Philipp der IV., Tala und Enver Pascha, H. Kissinger …
Im Lichte: der Staufer Konradin, Caspar Hauser, Christian Morgenstern, Selma Lagerlöf …
In der Literatur: Hagen von Tronje, Sintram von Fors („Gösta Berling“) …
Solvej in Ibsens „Peer Gynt“, Andersens Gerda, das Mädchen Uggla in H. Laxness „Atomstation“…

 

 

 

 

19. Mai 2020

Fundstücke

„Die Tyrannei eines Prinzen in einer Oligarchie ist nicht so gefährlich für das Allgemeingut, wie die Apathie der Bürger in einer Demokratie.“

Charles de Montesquieu

 

WELCHE REGIERUNG DIE BESTE SEI? DIEJENIGE, DIE UNS LEHRT, UNS SELBST ZU REGIEREN.“

J. W. von Goethe

 

 

 

 

Mittelpunkt und Kreis – Notizen zu Corona Teil II

Bitte gut merken und in 3 Monaten wiederlesen(PDF)

 

 

17. Mai 2020

Aktion Kultur erhalten

https://www.kulturerhalten-aktion.de/index.html

 

 

 

8. Mai 2020

 

„Und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben …“

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum ersten Mal überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre. Und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unsrer alten Klassen- und Standeserzeuger, sondern dann nehmen wir sie sofort in die Partei, in die Arbeitsfront, in die SA oder in die SS, in das NSKK (Nationalsozialistischer Kraftfahrerkorps) und so weiter. Und wenn sie dort zwei Jahre oder anderthalb Jahre sind und noch nicht ganze Nationalsozialisten geworden sein sollten, dann kommen sie in den Arbeitsdienst und werden dort wieder sechs Monate geschliffen. ( … ) Und was dann nach sechs oder sieben Monaten noch an Klassen- und Standesdünkel da und dort noch vorhanden sein sollte, das übernimmt die Wehrmacht zur weiteren Behandlung auf zwei Jahre. Und wenn sie nach zwei, drei oder vier Jahren zurückkehren, dann nehmen wir sie, damit sie auf keinen Fall rückfällig werden, sofort wieder in die SA, SS und so weiter, und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.
(Keine Verführung, kein doppelter Boden, keine falschen Versprechungen: Hitler redet hier Klartext in einer Rede an die deutsche Jugend in Reichenberg 1938)

 

 

 

Eine der heutigen Demagogenfragen lautet nicht mehr: Wollt ihr den totalen Krieg? sondern: Wollt ihr die totale Digitalisierung?
Fürchterliche Vision:  der Bildschirm des Computers als Glasscheibe einer Gefangenenzelle für lebenslänglich Verurteilte. Diese glauben, sie würden hinaus „in die Freiheit und die Welt der unbegrenzten Möglichkeiten“ schauen. In Wahrheit schauen sie nur ihre eigene Wunsch-, Bedürfnis-, Begierden- und Wahnwelt, in die sie mehr oder weniger eingesponnen wie das Opfer einer Spinne im Netz hängen …
„Digitalisierung“, „Digitalpakt“ – die großen Schlagwörter, mit denen derzeit auf den Bildungsbegriff – sofern dieser überhaupt noch existiert – eingeschlagen wird: „Die Welt muss digitalisiert werden“ – wenn es nach dem Willen der Effizienzialisten und Funktionalisten ginge, die diesen „Digitalpakt“ ge- und beschlossen haben.
Dagegen Novalis: „Die Welt muss romantisiert werden.“  Oder sein: „Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren…“ .
Ich sehe darüber Mephisto – seiner Sache sehr sicher – nur müde lächeln oder spöttisch grinsen. Durch seine Adern fließt anstelle von Blut elektrischer Strom. Und: er ist vollkommen unfähig zu singen, und, wer oder was von ihm geküsst wird, erstarrt zu etwas Gläsernem …

 

 

 

4. Mai 2020

Wenn sie den Raum betrat und anfing zu reden, blieben alle Uhren stehen.

 

 

2. Mai 2020

Vögel sind keine Autisten

 

Ein Waldgang wie mit Komponisten- und Dirigentenohren. Der alte, lichte Mischwald ist in seinem frischen, lichtdurchfluteten Grün nie schöner als zu dieser Jahreszeit. Die Buchen-, Eichen-,  Birken-, Ulmen-, Akazien- , Robinien- und Kiefernbestände oberhalb des Sees, die das hohe Steilufer des ehemaligen Urstromtals der Havel bedecken, sind erfüllt von vielfältigen, lebhaften Vogelstimmen. Ein Stoßseufzer: „Wenn ich bedenke, dass Messiaen an die achthundert Vogelstimmen zu unterscheiden wusste …“ . 

Aber gerade dieses Nichtwissen bewirkt wahrscheinlich eine größere Offenheit für die Bezüge, die Verbindungen der Vogelstimmen untereinander. Da sind  zwei Solisten – geniale oder virtuose Melodiker (Schwarzdrossel, Rotkehlchen), die durch ihre jeweilig unnachahmlichen Erfindungen über die anderen Stimmen herausragen. „Die beiden geben den Ton an – wie virtuose Oberstimmen in einem barocken Konzert. Die anderen kommentieren, nehmen einzelne Motive auf, oder stimmen auf ihre ganz eigene Weise zu. Aber alles scheint sich um diese beiden zu drehen. Das sind die Hauptstimmen, die Themen … Der da zum Beispiel  (Zilp Zalp) ist ein Rhythmiker, der spielt ein ostinates Motiv, eine Zustimmung.“

Schlagartig aber ist in einem Abschnitt reinen Kiefernwaldes die polyphone Komposition verstummt.  Nur von weit draußen überm See ist der heisere Schrei des Reihers zu hören, ein unmusikalischer Eigenbrötler …

 

1. Mai 2020

Mittelpunkt und Kreis – Notizen zu Corona(PDF)

 

Thesenpapier_corona PDF

Inhalt:

– Datenbasis verbessern
– Prävention gezielt weiterentwickeln
– Bürgerrechte wahren
                 von
Prof. Dr. med. Matthias Schrappe
Universität Köln, ehem. Stellv. Vorsitzender des Sachverständigenrates Gesundheit
Hedwig François-Kettner
Pflegemanagerin und Beraterin, ehem. Vorsitzende des Aktionsbündnis
Patientensicherheit, Berlin
Dr. med. Matthias Gruhl
Arzt für Öffentliches Gesundheitswesen
Hamburg/Bremen
Franz Knieps
Jurist und Vorstand eines Krankenkassenverbands, Berlin
Prof. Dr. phil. Holger Pfaff
Universität Köln, Zentrum für Versorgungsforschung, ehem. Vorsitzender des
Expertenbeirats des Innovationsfonds
Prof. Dr. rer.nat. Gerd Glaeske
Universität Bremen, SOCIUM Public Health, ehem. Mitglied im Sachverständigenrat
Gesundheit

 

 

 

30. April 2020

Was Du sein wirst, drüben, am anderen Ufer …

Drüben, angelangt am anderen Ufer, brauchst Du nicht mehr üben, Dich mit Fingersätzen und Bewegungsabläufen abzumühen. Dort  b i s t  Du.  Du b i s t  die Schönheit eines Präludiums und einer Fuge, eines Klanges, eines Themas. Deine Seele wird leben, verkörpert in den Farben der Klänge, in Tongestalten, Schwingungsmustern und im Atemstrom der Flöte und der Orgelpfeifen …

 

 

 

 

 

28. April 2020

Ein Obdachloser sitzt auf einer Parkbank, in einer Hand hält er eine Mundharmonika, vor ihm liegend seine Kappe mit ein paar Cent drin, und daneben aufgestellt hat er ein handgemaltes Schild, auf dem zu lesen ist:

Ich bin obdachlos, allein und habe Hunger.

Gerade eben hatte er noch gespielt, jetzt ist er müde, oder er hat aufgegeben. Kaum einer der vielen Passanten hat etwas in seine Mütze geworfen.  Viele der Vorübergehenden werfen einen flüchtigen Blick auf den Mann, dem der Kopf auf die Brust gesunken ist – und gehen weiter. Endlich bleibt einer stehen, schaut den offenbar Eingeschlafenden neugierig an, dann beginnt er in seiner Jackentasche zu suchen. Er kramt einen Stift heraus, nimmt das Pappschild und klappt es um, schreibt nach kurzem Besinnen etwas darauf und stellt es dann wieder vorsichtig an seinen Platz. Der Mann auf der Bank – er ist noch gar nicht alt – hat davon nichts mitbekommen. Er blinzelt, aus seinem Dösen wieder erwacht, nimmt sein Instrument an die Lippen, die von Bartstoppeln umrahmt sind, und beginnt nach einer Melodie zu suchen. Bald bleibt eine ältere mit Einkaufstaschen beladene Frau stehen. Sie wirft einen Blick auf das Pappschild, dann stellt sie ihre Taschen ab und hört ihm ein Weilchen zu. Schließlich  wirft sie ihm lächelnd eine Münze in die Kappe. Dann setzt sie ihren Weg fort. Und auch der Nächste der Vorübergehenden, nachdem er im Vorübereilen einen Blick auf den Mann mit dem Pappschild warf, besinnt sich, kehrt um, und gibt etwas von seinem Geld. Der Obdachlose nickt dankend; sein Spiel beginnt jetzt Fahrt aufzunehmen – die Gaben spornen ihn offenbar an. Und abermals bleibt jemand stehen – eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter an der Hand ist es, und nachdem die beiden ein Weilchen gelauscht haben, drückt die Mutter ihrer Kleinen ein 5o Centstück ins Händchen …

Der Mann beginnt nun doch langsam, sich zu verwundern – die ganze lange Zeit vorher passierte nichts, und nun bleiben auf einmal so viele stehen, werfen ihm Geld in die Kappe … . Was ist da los? Aber er kann sich’s nicht erklären, er spielt ja nicht besser oder schlechter als sonst auch. Als der Verwunderte schließlich aufsteht, seine Mütze aufnimmt, um sein Geld zu zählen, da fällt sein Blick auf das Schild, und er liest mit wohlmöglich noch größerer Verwunderung:  Ich bin obdachlos und allein, und ich teile gerne meine Musik mit dir.

 

 

 

15. April 2020

„Wir werden nach dieser Krise nicht zur Normalität zurückkehren, denn diese Normalität war das Problem.“ (C. J. Polychroniou, Ökonom u. Politkwissenschaftler)

In: Noam Chomsky über die Seuche des Neoliberalismus:

 

Selbstbegegnungen

Mit sich selbst von  Zeit zu Zeit unter vier Augen sprechen.

 

„Wenn man allein ist, geht man prüfend in sich,“ sprach Synnöve.

„Ja,“ erwiderte Thorbjörn,„ja, da zeigt sich’s am besten, wer die größere Macht über uns hat,“ und er schritt ernst neben ihr her.

(Aus: Björnsterne Björnsson, „Synnöve Solbakken“)
„Nichts ist dem Menschen unerträglicher, als in völliger Ruhe zu verharren, ohne Leidenschaften, ohne Tätigkeit, ohne Zerstreuung, ohne Hingabe. Dann fühlt er sein Nichts, seine Verlassenheit, sein Ungenügen, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere. Sofort steigt vom Grunde seiner Seele die Langeweile auf, die Niedergeschlagenheit, die Traurigkeit, der Kummer, der Verdruss, die Verzweiflung.“
(Blaise Pascal)

 

 

 

 

20. März 2020

Geburtstagsständchen für J. S. Bach:

„McBach’s Frolics“

Antje Jansen – Fiddle und Jürgen Motog – Piano

 

 

 

 

Zelter über J. S. Bach an Goethe am 9. Juni 1828

… „so bin ich oft geneigt, ihn gerade hier zu bewundern, mit welcher heiligen Unbefangenheit, ja mit apostolischer Ironie ein ganz Unerwartetes heraustritt, das keinen Zweifel gegen Sinn und Geschmack aufkommen lässt. Ein „passus et sepultus“ führt an die letzten Pulse der stillen Mächte; ein „resurrexit“ oder “in gloria die patris“ in die ewigen Regionen seligen Schmerzens gegen die Hohlheit des Erdentreibens. Dies Gefühl aber ist wie unzerreißbar, und es möchte schwer sein, eine Melodie oder sonst ein Materialbuches davon mit sich zu nehmen. Es erneut sich nur, ja es stärkt sich verstärkt sich bei Wiederholung des Ganzen immerfort.
Bei alldem ist er bis daher noch abhängig von irgendeiner Aufgabe. Man soll ihm auf der Orgel folgen. Diese ist seine eigentliche Seele, der er den lebendigen Hauch unmittelbar eingibt. Sein Thema ist die eben geborene Empfindung, welche wie der Funke aus dem Steine allenfalls aus dem ersten zufälligen Fußtritt aufs Pedal hervorspringt. So kommt er nach und nach hinein, bis er sich isoliert, einsam fühlt und dann ein unerschöpflicher Strom in den unendlichen Ozean übergeht.
So ungefähr hat sein ältester Sohn Friedemann, welcher hier gestorben ist, die Sache mit seinen Worten wiedergegeben. „Gegen diesen bleiben wir alle Kinder.“
Nicht wenige seiner größeren Orgelsachen hören endlich wohl auf, aber sie sind nicht aus: bei ihnen ist kein Ende.
So will ich denn auch hier aufhören, so viel noch zu sagen wäre. Alles erwogen, was gegen ihn zeugen könnte, ist dieser Leipziger Kantor eine Erscheinung Gottes: klar, doch unerklärbar.
Ich könnte ihm zurufen: „Du hast mir Arbeit gemacht
Ich habe dich wieder ans Licht gebracht.

 

 

 

 

Heimkehr

Am Horizont spannte sich der leuchtende Lichtbogen der Morgenröte, welcher den seit fernsten zeitlosen Zeiten aufrollenden Sonnenball immer aufs Neue ankündigt.
Stampfend, rollend, ratternd und zitternd am ganzen stählernen Leib wendete sich das Fährschiff mit seinem Bug dem Anleger zu, und als es sein Wendemanöver geendet hatte, nahm es Fahrt auf, vorbei an den schier endlosen zementierten zyklopischen Kaianlagen, vertäuten Frachtschiffen, Kränen und Türmen, den aufgestapelten Röhren und Rotoren künftiger Windräder, den Lagergebäuden und Schuppen, den Werfthallen und Asphaltstraßen, gesäumt von tausend künstlichen Sonnen, deren nüchterner Schein im zunehmenden Lichte des aufkommenden Tages allmählich verblasste.

In dem offenen Fensterausschnitt des Autodecks, einem Bilderrahmen gleich, erstaunte ich über ein Gemälde hoher Transparenz  an  räumlicher und zeitlicher Tiefe, einer Partitur gleich, lebendig und klingend: Polyphon und doch harmonisch, voneinander gesondert geführte zeit-räumlich verfließende Bewegungen, unterschiedlichen Stimmen und Klangfarben gleich; Sonnen- und Erdbewegung, ein dem Schiff Geleit gebender gaukelnder Zug von Vögeln: der stählerne Koloss, der scheinbar synchron zum Sonnenlauf an der steinernen Maschinenwelt vorüber auf den Anleger zuglitt, und ich selbst, ruhend inmitten dieser ungleichen Bewegungen und Lebensrhythmen, die doch alle einem Thema und einer Harmonie zu folgen schienen …  einem tönend-bewegten Aquarell gleichend, in dem jedes und jeder miteinander verbunden waren: Naturelemente, Menschenwerk, der jakende Möwenschwarm, das wolkendurchleuchtende, raumschaffende Licht und mein kleiner Ichpunkt, ein jedes mit seiner Zeit : Glück der Zugehörigkeit zu einem Ganzen, im Morgenglanz des Hier und Jetzt.

Neben mir wie aus dem Boden gewachsen stand ein Vater mit seinem kleinen Sohn auf dem Arm. Er sprach wenige Worte in einer mir fremden wohlklingenden Sprache zu seinem Jungen, und darin schwang unmissverständlich die Schönheit des Morgenglanzes mit.

Aus dem Lautsprecher erscholl jetzt blechern und kratzend die Aufforderung, sich in die Fahrzeuge zu begeben. Ich war wieder zurück …

 

 

 

 

 

 

 

19. März 2020

Im Krisenmodus

Klima
Klimaaktivistin
Kleinklima
Klimahysterie
Klimastreik
Klimastreit
Klimawandel
Klimakurve
Klimasprung
Klimademo
Klimakrisensitzung
Klimaretter
Klimarettung
Klimagefahr
Klimaanlage
Klimakatastrophe
Klimawechsel
Klimafeinde
Klimakiller
Klimazerstörung
klimafreundlich
klimafeindlich
Klimaschutz
Klimaschützerin
Klimaschützer
Klimapolitik
Klimakonferenz
Klimakrise
Coronakrise

 

Die Liebe der Erde

Wir suchen Seine Nähe nicht.
Wir suchten zu entfliehn,
Verbargen uns vor Ihm
in unseren Höhlen,
bedeckten uns mit Feigenblättern,
kletterten hoch
auf dichtbelaubte Bäume
oder kauerten
im Schatten ihrer Stämme,
unter Dächern und Decken;
machten Es unsichtbar mit Scheuklappen,
hielten unter Wasser den Atem an
fast zum Ersticken,
immer in der Hoffnung,
Es gehe vorüber,
ohne unserer gewahr zu werden.
Doch untrüglich und sicher
fand Es mich, dich
und jeden noch.
Komm, fass meine Hand,
ich geb Dir meine!
Und auch, wenn Du es lässt –
so oder so sind wir verbunden:
in Ihm, dem Leid,
dieser Liebe der Erde
zu uns flügellosen Engeln,
voller Sehnsucht
nach dem Himmel auf Erden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

8. Februar 2020

Die Mühle von Blomsterhult PDF 2

(Lesezeit ca. 10 – 15′)

 

3. Februar 2020

 

An den Wind

Brausest wieder übern See
wilde Gischt und Schaum.
Lösest endlich mir mein Weh
auf im weiten Raum.

Wenn an diesem Wintertage
Wolkengrau dich flieht,
singst du alle trübe Klage,
was mir schwere wiegt …

Alles Halbe, und was klein,
machst du ganz und gar,
und ich werde, so all-ein,
meiner selbst gewahr.

Alles Klagen, banges Fragen
wehst Du fort von mir.
Alles Lieben, alles Wagen
nehm ich an von Dir.

Steig ins Boot nun, setz die Segel,
gälte es mein Leben,
Ich verlasse sichre Regel,
Dir ganz hingegeben:

Dir, der Wellenberge baut!
Selig, sich hinaus zu wagen!
Selig, wer den Winden traut,
und den Wellen, die ihn tragen.

(Goethe lässt grüßen)

 

26. Januar 2020

Winterfrühling

So hoch der Tag,

so überweltlich licht

der blaue Dom.

Reglos der Wald.

In kahlen Wipfeln

pocht ein Specht.

Spiegelklare schweigt der See,

der fernen Ufer dunkle Säumung

von dort, wo sich der Abend naht,

und vor mir Silberschilf, Geäst und Stämme,

die dann und wann vom Sturme fielen,

gleich Riesen, die nun stumm vergehen;

Reifend in solchem Glanz

zu Wandel und zu Neubeginn

fühl ich die Welt.

Sie lauscht, sie sehnt, sie leuchtet sich

dem Licht entgegen,

und meint auch mich.

 

 

 

19. Januar 2020

Eine Begegnung mit Benno Pludra (1925 -2014)

(Lesezeit ca. 4′)

„Ja, geht klar, ich freue mich drauf!“ Benno Pludra, einer der meistgelesenen Kinder-und Jugendbuchautoren der damaligen DDR und späteren BRD, bekräftigte zum Abschied noch einmal unsere Verabredung für eine Lesung im HAUS DER KLÄNGE. Ich hatte ihn nach vorausgegangenen brieflichen und telefonischen Kontakten in seinem gemütlichen, erinnerungsträchtig eingerichteten Haus im Norden Potsdams aufgesucht, und mit ihm Einzelheiten zu seiner geplanten Lesung zu besprechen.

Er lebte dort allein, unterstützt von einem freundlichen Pfleger, der drei Mal am Tag aufkreuzte. Doch nicht ganz allein: schon während meiner kurzen Wartezeit an der Haustürklingel ließ sich sein Mitbewohner lautstark und lebhaft vernehmen. Als der betagte Hausherr mir dann die Tür öffnete, zog sich der bellende Leibwächter eiligst trippelnd ins Innere der Wohnung zurück. Im nächsten Augenblick jedoch tauchte seine Schnauze wieder hinterm Türrahmen auf. Aus dunklen Augen fixierte das Hündchen mich misstrauisch. Erneutes, lautstarkes Ankläffen, damit ja klar war, wer hier Herr im Hause ist. Pludra beruhigte seinen aufgeregten Beschützer, und dieser blieb nun im folgenden Verlauf des Gesprächs immer um uns – mal ruhig zu unseren Füßen ausgestreckt, dann wieder unvermittelt aufspringend, um mich ein ums andere Mal zu beschnüffeln.

Wir hatten im Wohnzimmer Platz genommen, wo mein Blick auf einen schmalen Bucheinband fiel: „Bootsmann auf der Scholle“. Es war eine verlagsfrische Neuausgabe dieses Kinderbuchklassikers, daneben lag der Verlagsprospekt des Middelhauve-Verlags, der Pludras Bücher nach der Wende neu aufgelegt hat.

Es war dasselbe Buch, das mir im Sommer auf Hiddensee im Schaufenster der Koralle-Buchhandlung aufgefallen war – Hiddensee, diese immer wieder inspirierende Insel, mit der der Schriftsteller tief verbunden gewesen war (er hatte in Vitte ein Sommerhaus), und deren Spuren und Atmosphäre in vielen seiner Bücher zu spüren ist. Ich erzählte ihm von meiner Erstbegegnung mit seinen Geschichten auf Hiddensee in der „Koralle“, wo auch die Erstausgaben seiner Bücher ausgestellt waren, und wie dort die Idee entstanden war, ihn zu einer Lesung einzuladen. Seine blauen Augen hinter der charakteristisch geformten Brille blitzten auf, als er den Namen „Caputh“ hörte. „Aah! Caputh – da ist es schön!“

Ich blickte mich um. Seine Liebe zum Meer zeigte sich in vielen Bildern, Stichen, maritimen Gegenständen und Schiffsmodellen in dem erinnerungsträchtigen Zimmer. Sein Arbeitszimmer jedoch war das nicht mehr. „Wenn nichts mehr in der Kiste ist, kann ooch nüscht mehr rauskommen,“ antwortete er lakonisch auf meine Frage, woran er gerade schreibe. Aber – lesen, ja, das könne er noch, wenn auch nicht mehr vor Schulklassen, das sei ihm zu anstrengend. Ich konnte ihn beruhigen. Zu seiner Lesung im HAUS DER KLÄNGE würden wohl sicherlich mehr Erwachsene als Kinder kommen – Erwachsene, die mit seinen in der einstigen DDR und auch nach der Wende weit verbreiteten Büchern und Verfilmungen besondere und schöne Erinnerungen verbänden und daher den zurückgezogen lebenden Autor gerne einmal persönlich erleben würden.

Nun kam der 85-Jährige ins Erzählen – von Hiddensee, seinem Besuch der Seemannsschule in Hamburg als Sechzehnjähriger, von seinem Wunsch, Kapitän zu werden und von den Fahrten auf einem Schiff der Handelsmarine. Auch Lehrer sei er für kurze Zeit gewesen, aber das sei nichts für ihn gewesen. Das Meer, die Küste und ihre Menschen, die Seefahrt, das Inselleben und der Fischfang ergaben die Motive und Gestalten in den Geschichten Pludras. Der ferne Horizont, die Weite und Freiheitsgefühl weckende Landschaft am Meer bildeten dabei einen bedeutsamen Horizont für die Phantasie des Schriftstellers, der im Alter jedoch in einem sehr klein gewordenen Lebenskreis beheimatet war. (Kurz nach meinem Besuch erlitt Benno Pludra einen Schlaganfall, der ihn in Folge zwang, sein Haus als Wohnort aufzugeben und in eine betreute Wohneinrichtung zu ziehen. Dort wohnte er Tür an Tür mit unserer Großmutter).

Die Gemälde mit maritimen Motiven mussten natürlich mit umziehen – sie atmeten noch die Weite, ebenso wie das Schiffsmodell des Viermasters „Padua“, auf dem er als knapp Zwanzigjähriger zur See gefahren war.
„Die Berge sind etwas Zerbröckelndes, Vergehendes,“ sagte er, „aber das Meer ist immer wieder neu. Das wäscht uns später vielleicht sowieso mal weg …“.

Beinahe hätte er genau dies als Neunzehnjähriger erlebt: einfach weggespült zu werden, nachdem die Padua von einem Torpedo getroffen worden war. Pludra hatte das knapp überlebt, aber das fürchterliche Geschehnis hatte die Haare des jungen Mannes innerhalb kürzester Zeit weiß werden lassen … .

(Benno Pludra verstarb vier Jahre später, am 27. August 2014.)

 

 

 

11. Januar 2020

Winterfrühling

Draußen herrschen bei Sonnenschein Temperaturen um 12 Grad. Helles, unbekümmertes Getriller und Schlagen der Meisen klingrn in der Luft. Aus dem Geäst einer hohen  Douglasie sind andere, nie gehörte und leisere Töne zu vernehmen. Sollten etwa Stare schon wieder da sein? Nach einiger Zeit entdecke ich den unbekannten Sänger – ein alter Bekannter ist es, der sich meist an goldenen Oktobertagen einfindet – ein Emigrant aus den Wäldern, der die Gärten mit ihren alten Walnussbäumen aufsucht und sich an den abgeworfenen Nüssen gütlich tut. Im Wald kennt man ihn als lautstarken Schreck und Schreihals, dessen scharfen Augen nichts verborgen bleibt. Jetzt aber dringen Laute aus seiner Kehle, die ich bei ihm  kaum für möglich gehalten habe: zärtlich-kosend, melodisch-flötend, gurrend und lyrisch-parlierend… Wo verbirgt sich die Angebetete, der diese Poesie eines Winterfrühlingstages gilt?

Doch Irrtum – hier genügte sich der Eichelhäher selbst. Ein Gespräch, ein Gesang mit und für sich selbst, geboren aus dem Wohlbehagen unter einem blauen, klaren Himmel nach Tagen von nassem Grau in Grau … .

 

 

 

 

6. Januar 2020

Was die Sonne singt

Was ist Wahrheit? Diese Frage, die nach den Sternen, ja dem ganzen Weltall ausgreift – sie beginnt schon im kleinsten Alltäglichen, oder auch im Innern der Zellen und Moleküle. Und in deiner, in meiner, in unser aller Einstellungen zueinander und gegeneinander beginnt sie gleichfalls, nimmt von dort ihren Ausgang, ihr Wachstum, ihre Fortpflanzung. Die Sonne singt dazu: Ich bin die Wahrheit und das Leben.

 

 

 

Ein Stein, vom Herzen fallend: ein kleines Ostern.

 

 

5. Januar 2020

Das Geheimnis der „eigenen Bestimmung“ liegt in unseren Begegnungen, im Erlebnis vom Du und Ich (Zenta Maurina). Jede Begegnung ist mehr oder weniger Reflektion, Brechung der Urbegegnungen am Anfang jeder menschlichen Biographie.

Mutter und Vater als Themen einer Doppelfuge, die ich dann durchs Leben hindurch entwickle und durchführe.

 

Der „stereoskopische Blick“ (Ernst Jünger)

Der Blick ins Räumliche der Zeit und ins Zeitliche des Raumes; das Farbliche des Klangs und der Klang der Farben; das Sehen des Gehörten und das Hören des Gesehenen, das Berührende der Töne und der Ton der Berührung; das Schmecken eines Erlebnisses und das Erlebnis eines Geschmacks … usw.

 

 

4. Januar 2020

Geistige Kurzschlüsse

deutsch – national – rechts – rechtsradikal – nationalististisch – Nazi – …

 

 

 

3. Januar 2020

Entleerung und Beliebigkeit

„Wir sind mitten in einer industriellen Revolution. Das ist aber nicht die erste, die wir hatten.“ … So der Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Sein Kollege, der Industriepräsident Dieter Kempf:“Die digitale Bildung in den Schulen muss vorangebracht werden. Es ist aus meiner Sicht völlig unzureichend, dass es heute keine ausreichende digitale Bildung in den Sekundarstufen gibt. Das heißt nicht, dass alle programmieren können. Aber wir müssen die jungen Menschen zur digitalen Souveränität erziehen.“

Gutes Beispiel für die Beliebigkeit der Benutzung und Kombination sinnentleerter Begriffe, mit den man suggestive Schlagwortwirkungen zu erzielen sucht. Erinnert an eine Phrasendreschmaschine.

 

 

 

 

1. Januar 2020

 

Fundstück

Aus dem Nachlass des Grafen C. W.

 

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!

Sie zu halten, wäre das Problem.

Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,

wo ein endlich Sein in alledem?

 

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen

jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:

Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,

und das willig Liegende verschwimmt –

 

Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; –

aber auch in ihnen flimmert Zeit.

Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt

obdachlos die Unvergänglichkeit.

(R. M. Rilke)

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