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Resonanzen

 

20. Oktober 2021

Die Prinzessin von Schloss Schwarzenraben

 

Prinzessin! Prinzessin!!. Die Stimme des kleinen Mädchens klang beinahe klagend, jedenfalls aber sehnsuchtsvoll die Sehnsucht des Kindes wars nach einer märchenhaften Figur, die man doch endlich einmal mit eigenen Augen sehen möchte, die man womöglich berühren darf, anders als in den häufigen Märchenbegegnungen, dem Traum vom eigenen Ich in höherer Potenz.

Das stattliche Barockschloss, mit dessen Bau 1759 begonnen wurde, also annähernd zehn Jahre nach Bachs Tod und Goethes Geburt, vor dem wir auf der verwitterten Umfassungsmauer der Gräfte sitzend auf das Erscheinen der Prinzessin warteten, war damals, Mitte der 1980er Jahre, noch in Familienbesitz der Familie von K., die Anfang des 19. Jahrhunderts durch Erbschaft in dessen Besitz gelangt war – uralter westfälisch-katholischer Adel mit Verbindungen bis in die Spitze des Vatikan. (Den hochrangigen geistlichen Herrn, der aus Rom dann und wann zu Besuch war, sah ich verschiedene Male im Park auf und ab gehen, das Gebetbuch in der Hand, eine merkwürdige, wie aus der Zeit gefallene Erscheinung.) Im Laufe eines Jahrtausends wechselten die Besitzer Schwarzenrabens einige wenige Male. Vom mittelalterlichen Vorgängerbau Wambeke würden sich vielleicht bei Grabungen im Schlosspark Reste finden lassen. 

 

Mir war immer, als hätte Eichendorff persönlich diesen Flecken Erde erträumt, angelegt und seinen Geist und seine Seele all diesem eingehaucht: die stilisierte, zierliche Zugbrücke über der Gräfte – eine Reminiszenz und Referenz an uralte Ritterburgzeiten – die Freitreppe vorm Schloss, die Kapelle, die Orangerie im hinteren Teil des Parks, in dem riesige, seltene Baumexemplare rauschen und schauern/  als machten die alten Götter die Rund

Ein Geist, eine Seele, die diesem uralten westfälischen Adelssitz mit seiner tausendjährigen Geschichte dem 20. und mittlerweile 21. Jahrhundert entrückt hatte, trotz all der nüchternen landwirtschaftlichen Maschinenwelt ringsherum.

Ich sage mit Bedacht hatte, denn Ende der 1990er Jahre änderten sich erneut die Besitzverhältnisse. Das Unglaubliche geschah – die zweite große Katastrophe nach dem verheerenden Brand des Schlosses in den 1930er Jahren. Die Familie von K. war gezwungen zu verkaufen, zu groß waren die Kosten der Instandhaltung. Mag sein, dass der Herr Baron sich verspekuliert hatte, wie man munkelte. Das kostbare Inventar wurde bei Sothebys versteigert, die 9000 Bücher umfassende Bibliothek veräußert. Der neue bürgerliche Besitzer mit großindustriellem Hintergrund ließ flugs alles einzäunen und sicherte seinen neuen Besitz mit allen Raffinessen der modernen Sicherheitstechnik. Betreten verboten, basta. Die Entzauberung dieser Zeitinsel des 18. Jahrhunderts geschah innerhalb kürzester Zeit. Bedenkenlose Aneignung und Bereicherung des neuen Geldadels an der Substanz tausendjähriger Geschichte.

Ich sehe mich noch einmal an einem eiskalten, klarblau strahlenden 2. Weihnachtstag von Süden her auf die Schlossfront zugehen, höre vielstimmiges Kinderlachen und Juchzen:  auf dem zugefrorenen Wassergraben tummelten sich  wohl ein Dutzend Kinder und Jugendliche zu Fuß, mit Schlitten, Schlittschuhen, und Hockeyschlägern ein buntes, ausgelassenes Treiben wie auf einem der berühmten Winterbilder der alten Niederländer. Ich hatte eine ganze Weile an der Umfassungsmauer gestanden und dem heiteren Treiben zugeschaut, als sich plötzlich eine Tür im Erdgeschoss öffnete. Eine Frau erschien, die zum Seitenflügel schritt, um dort energisch die Glocke der Schlosskapelle zu läuten. Um diese frühe Nachmittagsstunde konnte das unmöglich der Ruf zur Messe sein. Die Kinder reagierten schnell, ließen alles stehen und liegen, liefen die Uferböschung hinauf und verschwanden lebhaft schnatternd im Schloss. Vielleicht rief die Glocke sie zu einem späten Mittagessen oder einem frühen Kaffeetrinken? Der Schrei eines Bussards aus dem hohen Blau leitete eine große mittägliche Stille ein . Es war eine überraschende Momentaufnahme voller Poesie des Lebens gewesen, ganz gegenwärtig und doch zugleich zeitlos. Dieselbe Szenerie hätte sich genauso zweihundert Jahre zuvor abspielen können.  

 

Prinzessin, wo bist du?! Komm doch mal raus, Prinzesssin! Die Stimme meiner kleinen Begleiterin verhallte.

Wo ein Schloss, da muss doch auch eine Prinzessin sich finden lassen! Die Sehnsuchtsrufe waren eindringlicher geworden. Ich versuchte, meine Nichte mit einem vagen die kommt bestimmt gleich rauszu vertrösten und bei Laune zu halten. Aber man weiß ja: Kindern, die zu wünschen und zu wollen verstehen, gelingt die Erfüllung doch viel öfter als uns oft desillusionierten oder rücksichtsvoll-höflichen Erwachsenen.

Die hundert und mehr Augen des wunderbar geschlossen wirkenden Prachtbaus reinsten Barocks, die zu den entfernten, spielzeugkleinen Türmen der Stadt, ja bis zu den Hochöfen Dortmunds im Westen,  zum Haarstrang im Süden, zum Teutoburger Wald und in östlicher Richtung bis ins Paderborner Land vor allem von den oberen Gauben weithin Ausschau schenken, schienen allesamt auf mich und meine Nichte gerichtet. 

Oder nein: war es nicht vielmehr umgekehrt: wir suchten ja die Fensteraugen ab. Aber es kam keine Antwort, die Fenster schwiegen. Man hätte das Schloss für unbewohnt halten können, so still war es.

 

Ich hatte die alte Freifrau Baronin von K. noch kennengelernt. Anlass war einige Jahre zuvor eine Studienarbeit zu Sagengestalten der Haargegend gewesen. Einsilbig, kopfschüttelnd und nüchtern nur hatte sie mir auf meine Frage zu den Spukgeschichten um die blaue Dame von Schwarzenraben geantwortet. Daneben interessierte mich die Orgel der weithin berühmten barocken Schlosskapelle. (Die westfälische Landschaft ist außergewöhnlich reich an gut erhaltenen oder restaurierten historischen Instrumenten).

Aber da war kein Hineinkommen ins Schloss. Da muss ich erst die Frau Baronin fragen, hatte die Antwort der kleingewachsenen Küsterin der Schlosskapelle gelautet auf meine Frage, ob ich einmal die Orgel besichtigen und spielen könnte. Mir schienen in Habitus und Gestus dieser Antwort Jahrhunderte der Leibeigenschaft, dieses unseligen Gefälles zwischen Herrschaft und subalternem Gesinde, mitzuschwingen: Einmal Knecht – immer Knecht, auch noch im 20.Jahrhundert. Einmal Herrschaft – immer Herrschaft, auch wenn von Letzterer – genauso, nur umgekehrt – lediglich Gestus und Habitus übriggeblieben waren. Zu tief sind – hier wie dort – über viele Jahrhunderte die Furchen des Standesmäßigen gezogen worden.

 

Doch jetzt geschah etwas gänzlich Unerwartetes, ein Wunder. Die Eingangspforte über der Freitreppe öffnete sich, und eine hochgewachsene  blonde Frau wurde sichtbar. Sie kam schwungvoll  die Stufen herab, näherte sich uns, die wir auf der Umfassungsmauer des Wassergrabens nahe der Zugbrücke saßen. Sie lächelte, ein offenes Gesicht. Galt dies uns? Dem kleinen Mädchen, dass nicht nachgelassen hatte, nach ihr, die auf uns zukam, zu rufen? Offensichtlich.

Wie oft  hatte mich nicht viele Jahre lang eine unbestimmte, geradezu eichendorffsche Sehnsuchthinaus aus der Stadt in dieses so genial- intakte Areal, eine Zeitinsel geradezu, hingezogen, wie magnetisch.  Was hatte ich hier verloren? Oder was glaubte ich hier zu finden? Oder suchte ich mich eines vergessenen Traumes zu erinnern?

 

Kennt ihr das denn nicht auch? Eine Landschaft, ein Ausblick, eine Gegend üben eine unwiderstehliche Gewalt aus, wie eine verlorene, vergessene Heimat? 

Wieder kommt mir  Eichendorff in den Sinn:Aus der Heimat, hinter den Blitzen rot, da kommen die Wolken her,/ aber Vater und Mutter sind lang schon tot/ es kennt mich wohl keiner mehr  

Oder erkennt dich, sieht dich doch noch jemand? Tiefste Hoffnung derer, die das Paradies verloren haben; brucknersche Erlösungssehnsucht, wie im Adagio seiner 5. Sinfonie … 

 

Wie oft wirst du gesehen aus stillen Fenstern …“. Morgenstern hatte das einst gedichtet, und es schien mir wie gemacht für diesen Ort. War nicht sogar die Sehnsucht des kleinen Mädchens am Ende auch meine Sehnsucht? Da, wo Du nicht bist ist das Glück. 

Aber hier musste es doch zu finden sein. 

Nacht ist wie ein stilles Meer/ Lust und Leid und Liebesklagen/ kommen so verworren her. Träume wie die Wolken sind/ schiffen durch die stillen Räume/ wer erkennt im lauen Wind, / obs Gedanken oder Träume?“ …

War dies nicht alles ein Stück Verkörperung aus demTaugenichtsoder ausAhnung und Gegenwart, voller Erwartung und Geheimnis? Und jetzt schien etwas davon mit der Erscheinung der Prinzessin“, einer Enkelin der Baronin, in der Wirklichkeit angekommen zu sein...

Gesehen werden – tiefste Sehnsucht, tiefste Beglückung eines jedes Menschen. Das Kind aber an meiner Seite – es hatte zu keinem Zeitpunkt aufgegeben zu hoffen, dass es gehört und gesehen werde, und es war ihm geschehen. 

 

24. September 2021

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Steinreich (PDF)

 

22. September 2021

 

Der Schneidermeister (PDF)

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07.11.2021 um 11:00 Uhr, Urania Potsdam, Gutenbergstraße

Magisches Gotland – Eine sinnliche Reise auf die Ostseeinsel Gotland in Wort und Klang

 

 

Bettina Mros, Claudia Deglau und Jürgen Motog nehmen uns mit auf eine sehr persönliche Reise auf die Ostseeinsel Gotland. In den Zeiten des Corona-Stillstandes sind neue Texte und musikalische Arrangements entstanden, getrieben vom Fernweh nach diesem Sehnsuchtsort. In ihrem Programm wandeln sie durch das bunte Häusergeschachtel der mittelalterlichen Stadt Visby, vorbei an blühenden Stockrosen mit Blick auf den rötlichen Morgenhimmel bis hinunter zum Hafen mit kreischenden Möwen und schlechtem Kaffee. Der Meisterschmied Volund aus der poetischen Edda klingt an. Ein Flachwurzler findet eine sehr besondere Flöte. Wir hören von einer Urmutter, die Augen wie ein Adler und eine Leber wie ein Seemann hat. Der gotländische Dichter Gustaf Larsson rundet das Programm ab: Mein Herz, hier findest Du – Raum und Ruh‘.

 

Ensemble:
Bettina Mros, Violine & Fidel
Claudia Deglau, Lesung & Gesang
Jürgen Motog, Harmonium, Nyckelharpa, Rahmentrommel & Knochenflöte
Teilnehmerpreis: 15,00 €
Karten nur im Vorverkauf: 0331 / 29 17 41

 

 

 

18. September

Kurzes Märchen

Vor langen Zeiten, als das Wünschen nur selten noch half, sagte der Papst zum Kaiser:  Ich halte die Schafe dumm. Halte Du sie arm. Und da sie nicht gestorben sind, so …

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4. September 2021

 

Es gibt ein Wissen,

weicher als Wasser, leichter als Luft, dünner als Dunst,

das durch verschlossene Türen dringt;

das Wissen weilt überall

und windet sich und wittert und drängt durch alles durch,

und ist ein solches Wissen,

dass es alles Sein ausmacht

und außer ihm nichts über seinem Wesen ist –

kein Stein und kein Haus, kein Bruder und kein Sohn,

kein Graf und keine Grafschaft, kein Gefälle und keine Zölle,

kein Recht und keine Pergamente;

das ist ein Wissen,

so nah wie die Stimme über Strom und Eis,

die sich aus Dunkelheit

der Dunkelheit und der dunklen Bangigkeit erbarmt.

Das Wissen ist ohne Furcht

und ist das Wissen über alles Wissen

und gehorcht sich selbst,

gleich als ob es sich selbst geschaffen hätte. (Ernst Barlach)

 

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24. August 2021

 

Einladung zum Konzert

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15. August 2021

Diary of Sounds

Lau kyrka, Gotland, 5. Juli 2021

 

„Aber da stellt sich die Frage, ob nicht Musik immer mit Schwermut versetzt ist? Auch Mozart: wie anders könnte er sonst über die Traurigen etwas vermögen? Es gilt doch wohl, dass Musik ohne das ganz unerträglich sein würde. Wie auch ein Mensch, dem Schwermut ganz fremd ist, so schwer erträglich, ja so unheimlich ist wie einer, der sie unverdeckt lässt und öffentlich darin versinkt.“ (Erhart Kästner in: „Die Stundentrommel vom Heiligen Berg Athos“).

 

Tears and light

 

Lied über den Dingen

 

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 Bahnhöfe zwischen Himmel und Erde (PDF, Lesezeit 3′)

 

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Eingeständnisse (PDF, Lesezeit:  3 x 0,5 Minuten, ehe man es glauben kann)

 

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19. Juli 2021

 

Begegnung mit Emma (PDF, Lesezeit 5′)

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14. Juli 2021

Der Lerchenchor (PDF, Lesezeit 5′)

 

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Sommarpsalm (Lau Kyrka, 5. Juli 2021)

 

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13. Juli 2021

 

Baraberget bei Vallstena/Gotland

Unvermittelt nach einer Biegung der kleinen Landstraße zwischen Hörsne und Vallstena erhebt sich markant Baraberget, der Baraberg, in einer unbezähmbar und heidnisch anmutenden Wildheit zwischen dem umgebenden kultivierten Wiesen und Ackerland.

Stark ist der Ruf, der von dort herandringt. Mein Fuß geht auf die Bremse. Auf der Informationstafel am Parkplatz erfahre ich: Bronzezeitlich – eisenzeitliche Fornborg, Fliehburg. Aufhorchen über den flachen Allgemeinplätzen aber lässt mich die in groben Zügen wiedergegebene Sage von einer Esche, die am höchsten Punkt des Berges gestanden haben soll, und die ihr Laub das ganze Jahr nicht abwarf. Ihre Kräfte weckten Begehrlichkeiten, die schließlich zum Verdorren des Baumes führten …

Yggdrasil, der Weltenraum und sein Abbild. In der Edda heißt es über ihn:

Diese Esche ist der größte und beste aller Bäume, sie verknüpft Himmel, Erde und Hölle/Hel. Ihre Krone überragt den Himmel Asgard, ihre Äste und Zweige treiben durch die ganze Welt bis Utgard und ihre drei Wurzeln dringen zu den Hrimthursen, nach Niflheim und zu den Asen.

So also teilte dieser sommers wie winters immergrünende Baum und Ableger Yggdrasil das Schicksal so vieler vorchristlicher Baumaltäre und Tempel ohne Dach.

 

Ein steinerner Grabhügel aus späterer Zeit, aber immer noch mythischer Vorzeit, die wir mit „Bronzezeit“ etikettiert haben, wölbt sich anstatt seiner – die zerstörende, nackte materielle Gier der Grabräuber und Schatzsucher aber hat wie vielerorts auf der Welt nur noch eine Ruine des einstigen Heiligtums hinterlassen, einem erloschenen Krater gleichend. 

Mein Blick schweift von hier über die weite Ebene, über Wiesen, über das duftende Gewoge von Getreidefeldern und Wäldern. Unaufhörlich überjubelt Lerchengesang dieses weite Land, verwandelt es im Frühling und Sommer in eine klangerfüllte Seelenlandschaft,  erfüllt  vom perlenden Glanz der Töne und Lieder, die ohne Anfang und Ende scheinen. Unvermittelt wie sie beginnen enden sie auch – Ausschnitte aus einer unendlichen Monodie, die immer schon klang und immer sein wird, wären nicht wir,  der eingreifende Mensch und sein Menschenwerk. 

Besonders abends, wenn die Winde schweigen, verdichtet sich der Eindruck von zeitloser Weltenferne, in der die Elemente mit ihren ewigen Kreisläufen des Werdens, Blühens, Fruchtens und Vergehens deutlicher zutage kommen.

Unbewohnbare, nicht urbare, weit ausgedehnte Alvarheide und dichte Wälder aus Kiefern und Wachholder – Urwälder, karstige Urheide und steinübersäte Urstrände, kaum verändert seit dem Ende der Eiszeit, grenzen hart ans Urbare: gezähmte und nutzbar gemachte Kulturland, mit den Intermezzi von kleineren oder größeren Inseln aus alten Baumgruppen, Waldstücken und Steinhaufen – Rückzugsgebiete für das Wild, für Sing- und Raubvögel und die geschuppten Nachfahren der Saurierdrachen: Echse und Schlange. Im unergründlichen Schweigen des weiten Moores sah ich mir zu Füßen noch etwas eilig Davonschlängelndes, Schwarzes – wie ein erdgebundener Todesbote war’s, wehte mich unheimlich an .

Die Melancholie dieser schier unergründlichen Raumestiefe und Weite von Wolkenlandschaft und Erdlandschaft – sie würde die Seele wohl nach und mit Schwermut füllen wie ein schleichendes Gift, das das Licht des Ich auslöschen könnte,  wären da nicht die begrenzenden Wegränder, die reich und farbig blühenden Säume der Feldraine, der Landstraßen mit ihrer überschwenglichen Fülle an Blüten und Buntheit, Mischungen aus Bekanntem und Unbekanntem – heitere Borten des Liebeslebens zwischen Blütenreich und dem rauschhaft summenden, sirrenden und flügelschwirrenden Insektenreich. Wer dafür Ohren hat, kann ihr  heiteres Lebenslied vernehmen: „En vänlig rika gröska dräkt/ nu smyckar  das och ängar …“.

„Geh aus mein Herz, und suche Freud…“ wäre wohl die passende, sinngemäße Übertragung des berühmten Sommarpsalm, diesem schwedischen Lied der Lebenslieder, mit der die von sommerlicher Schönheit erfüllte Seele sich verströmen möchte.

Über dem Baraberg oder auch Bjärshög, die auf dem Wege zwischen Norrlanda und Djupvik an der Ostküste ähnlich in die Landschaft gebettet ist, weben und schweben Bilder längst vergangenener Geschehnisse. So auch über den endlosen Wachholder-Steinheiden und den Krüppelkiefern des Alvar, den einsamen, von Steinblöcken übersäten Strandwiesen und dem Seeadler-Königreich des „Paradiset“ bei Ronehamn, den zahlosen Mooren und Wäldern, in denen verborgene Grabhügel noch ungeöffnet schlummern mögen. Kein Grabräuber entdeckte sie in der Waldestiefe, kein Touristenführer hat sie verzeichnet, es sind ihrer zu viele.

Ahnungen wehen und flüstern hier überall,  von lang verklungenen Gesängen und Riten, von Blutopfern über den Blutrinnen der Opfersteine und dem Rauch der Brandopfer – traumartiger Widerhall, der Antwort und Verstehen sucht.

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Etwas später stehen wir vor der ungewöhnlichen und kühnen Konstruktion der Kirche von Vallstena. Auf dem Vorplatz  ist ein rekonstruierter vorchristlicher Bildstein aufgestellt – jenen im Original unmittelbar magisch ausstrahlenden Steinbildern archetypischer Kräfte und Mächte – Spirale und Kreis, Kreuz und Schlinge, Schlange und Drache, Schlangenfrau und Drachenkämpfer; 

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Ahnenstein, Opferstein, Geschichtenstein, der an Heldentaten, an Initiationen  erinnert, Erinnerung wachhaltend für den, der dies noch zu sehen, zu lesen verstünde: angehaltene Zeit, ein Ausschnitt aus der Zeitlosigkeit im  „Ewigen“ des Steins … .

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Ausschließlich auf Gotland wurden diese Bildstein aufgefunden –  schrift- und namenlose Vorgänger der späteren Runensteine, manchmal als „Heidensteine“ vermauert in eine Kirchenwand wie  z.B. in Bro, oder aufgefunden als Schwellenstein, jedoch mit der sprechenden Seite nach unten, dem Anblick entzogen.

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Immer galt es dabei wohl, diese Steine zu entmachten, zu entladen, ihre Wirkung zu bannen, sie dem neuen Glauben an den menschgewordenen Gott zu unterstellen… . Immerhin – viele wurden nicht einfach nur in Stücke zerschlagen. Die Ehrfurcht vorm steinernen Erbe war und ist groß, aller Bildestürmerei zum Trotz.

 

Wer gedenkt noch der Sensation den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als aus den schwarz- weißen Fernsehbildern farbige Bilder wurden?DSC01056

In Analogie: Als die seefahrenden gotländischen Händler von den fernen Küsten des Mittelmeeers zurückkehrten, wo Tempel und Götterstatuen bunt bemalt waren, mag diese faszinierende Farbigkeit auch Einzug in die steinernen Bilder der Gotländer gehalten haben. 

Der  rekonstruierte Vallstena-Stein gibt davon einen Eindruck  – etwas befremdlich freilich, weil die Qualität der Farben dem Stein sein Geheimnis nimmt. Vielleicht liegt es an ihrer künstlichen Chemie?

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So ja auch bei den mit roter Farbe überdeutlich nachgezeichneten Felsritzungen, etwa am Kinnekulle in Mittelschweden.

 

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Aber was wissen wir in der Didaktik archäologischer Betrachtunsweise Befangenen schon von damals? Vielleicht wurden die Einritzungen immer neu mit Opferblut nachgezeichnet, und die Archäologie hat gar nicht so falsch mit der roten Farbe gelegen? Nicht nur ist Blut ein ganz besonderer Saft, sondern sein Rot ist eine ganz besondere Farbe, sehr innerlich, aufweckend, erschreckend.

Wie anders wirkt dagegen der bemalte Stein im Innern der Kirche, etwa im Triumphbogen, welcher Langhaus und Chorraum voneinander abgrenzt. Alles ist da Beseelung, beseelter Stein, beseelter Bogen, beseelte Wölbung – eine erdige Astraltät, aus  goldener Tiefe aufschimmernd. 

Vallstena

 

Den Architekten und Restauratoren Gotlands der 50-er und 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts aber kann man nicht dankbar genug dafür sein, dass sie die protestantischen Übertünchungen beseitigt und dem magischen Realismus des verschlungenen Rankenwerks von Rosen, Lilien und den vielfältig-rätselhaften Wesen der Drachenzeit wieder seinen Erscheinungsraum zurückgaben.

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7. Juli 2021

 

 

 

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13. Juni 2021

Was ist Realität?

Der Physiker Heinz von Foerster (Zum Ansehen anklicken, Dauer  ca. 5′)

 

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Kunst zu leben (PDF)

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Böser Traum (PDF)

 

 

 

 

 

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7. Juni 2021

Gotland hin und zurück (PDF)

 

 

 

 

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17. Mai 2021

 

 

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                                     Goethe am Fenster (PDF)

                                                                 (Lesezeit ca.30′)

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3. Mai 2021

Cogito – ergo? (PDF)

 

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2. Mai 2021

Die Propheten (PDF)

 

Lernfortschritte und Zukunftsaussichten (PDF)

 

24. April 2021

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Maskenball (PDF )

„Irische Apothekerin ist neue Chefin der EMA.“

(Überschrift der Pharmazeutischen Zeitung vom November 2020 (https://www.pharmazeutische-zeitung.de/irische-apothekerin-ist-neue-ema-chewfin-121238/

 

(Auf einem Maskenball in einer großen Stadt steht eine irische Apothekerin an einem Stehtischchen, umringt von ihren Gratulanten, und es knallen die Sektkorken … .)

 

 

 

7. April 2021

Poesie zweifelhafter Versprechungen (PDF)

 

 

 

(Aus Werbebeilagen von Kaufland, REWE, toom, Einkauf aktuell, EDEKA)

 

8. März 2021

Scan 1                                             Kopfweiden bei Esbeck/ Westfalen. Kohlezeichnung von Siegfried Motog,1947

 

Erlkönigs Lächeln (PDF, Lesezeit 15′)

 

Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau,/ es scheinen die alten Weiden so grau …“

 

 

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Die Himmelstür (PDF)

 

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Ein Philosoph (PDF)

 

 

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17. Februar 2021

 

 

Som Stjärnan …(swedish trad.)

 

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31. Januar 2021

 

Was können und könnten die superreichen und so wohltätigen technokratischen Gesinnungsgenossen dieser Welt nicht alles bewegen mit ihren Dagobert-Duckhaften Ersparnissen, die die Staatshaushalte vieler Länder unseres Planeten übertreffen. Gigantische Fabriken entstehen da in Windeseile, fressen zusehends Wälder, Landschaft und saugen das Wasser in der Tiefe auf, vernetzen und vermüllen den Weltraum mit Satelliten und den Maschinationen superschneller künstlicher Intelligenz, deren Vision „Star Wars“ schon vor Jahren in den Puppenstuben und Kinderzimmern wie selbstverständlich Platz eingenommen hat. Alles, was diesen ach so menschenfreundlichen Visionären ausdenkbar ist , ist ihnen auch machbar, gerechtfertigt durch die unbegrenzte Bezahlbarkeit, und ungebremst durch ein – vermeintlich – hoffnungslos antiquiertes Menschen- und Weltbild. Nur eines können sie nicht, diese Kämpfer für das „Gute“, diese Streiter für ihre höchst egozentrischen Wahrheiten: sie können keinen „Frieden auf Erden“ und vor allem keine Liebe machen. „Und hättet der Liebe nicht“ aus dem  Korintherbrief – das bleibt eins der großen Schlüsselworte, dessen Goldgehalt sie wahlweise umzumünzen versuchen in goldlackiertes Blech oder, wie Andersen es in einem seiner Märchen betitelte, indem sie in Orwell’scher Manier „die Schilder vertauschen“.

Die verbreitete Denkungsart, die sich – einer gepanzerten Echse gleich – nur in verneinenden Kategorien wie „Gegen“, von „Kampf“ oder gar „Krieg“ zu bewegen vermag. Das ist schon in biblischen Bildern angelegt wie in dem von St. Michaels Kampf mit dem Drachen. Schon im Kleinen, Alltäglichen wirkt das. So sagt man zu einem unruhigen Kind schnell mal:“ Hör auf rumzukippeln“, oder:“Sitz endlich still!“  anstatt zu sagen:“ Stell deine Füße auf die Erde und spüre den Boden unter deinen Füßen!“ oder:“Achte mal auf die Bewegungen deiner Lippen beim Sprechen“, wenn ein Kind sehr leise und schüchtern spricht. Einem Stotterer ermöglicht man zu singen oder rhythmisch-Gereimtes zu sprechen, anstatt ihm zu sagen, er solle aufhören zu stottern, er müsse doch keine Angst haben … .

Oder, auf anderer Ebene, die eine Siebenjährige so ausdrückt: „Ich möchte nicht nach einer Fibel lernen, ich will in m e i n e r   Freiheit lernen, will die Sachen aus meiner eigenen Freiheit machen …“.

 

Übertragungen ins größere Geschehen angesichts der herrschenden Kampf- und Kriegsparolen gegen die Ungläubigen, gegen den Terrorismus, gegen den Klimawandel, gegen Corona. So mutierte der Kampf gegen die „Ungläubigen“ im Mittelalter und gegen den neuzeitlichen Terrorrismus selbst sehr schnell zum Terror, der seit Jahrhunderten immer aufs neue missgebiert, was zu bekämpfen und zu besiegen er doch vorgibt. Und im Kampf gegen ein reales Virus hat man so eine zweite Pandemie realer und ansteckender Angst erschaffen, mit all den Folgen für Psyche und Soma und für unsere sozialen Schutzhüllen. Mit dem Virus leben“ klingt da weitaus vernünftiger, ist aber für die Profiteure von Angst und Terror weitaus unrentabler.

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„Alle machen sich Gedanken, wie man Terrorismus beenden kann. Nun, es gibt einen wirklich einfachen Weg: indem man damit aufhört, daran teilzunehmen.“ (Noam Chomsky)

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Auch Musikkonserven haben ihre Verfallsdaten, nach deren Ablauf diese Klangbilder ungenießbar werden. Was einst als epochales Ereignis galt, als Aufnahme festgehalten, kann nach Jahrzehnten beim Anhören nur noch schwer erträglich sein.  Über unsere Aufnahmen wird man später einmal lachen – so äußerte sich Nikolaus Harnoncourt (1928 – 2016) dazu selbstkritisch.

 

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18. Januar 2021

Gesichter, Physiognomien und deren Tonarten, deren „Klang“: Gesichtszüge in Moll, in Dur; darin verminderte Akkorde, übermäßige; leere Quinten; reines, strahlendes Dur; wenn eine Anspannung weicht: Septimakkorde, sich zur Grundtonart auflösend. Sehnsucht: der Quartvorhalt, seine Terz umspielend.

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12. Januar 2021

J. S. Bach, dieser Machtvolle, Unbegreifliche; einer aus einer bestimmten Art der Tiger : ein Ermutiger.  Die Eingangssätze der Kantaten „Herz und Mund und Tat und Leben“ , „In allen meinen Taten“, „Wie schön leucht uns der Morgenstern“, „Es ist das Heil uns kommen her“…  (Netherlands Bach Society „AllofBach“)

 

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7. Januar 2021

Der Doppelgänger der USA (PDF anklicken)

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